Kleine Bartfledermaus (Myotis mystacinus)       

Kleiner, lebhafter, bärtiger Geselle

Gefährdung (Rote Liste)

Nordrhein-Westfalen (2010): 3 – gefährdet

Aussehen und Merkmale

Die Kleine Bartfledermaus ist eine sehr lebhafte Art und zudem eine der Kleinsten. Sie hat eine Körperlänge von gerade einmal 35-48 mm, ihre Flügel haben eine Spannweite von ca. 190-225 mm. Ihr Rückenfell ist kraus und dunkel- bis nussbraun. Ihre Unterseite ist in Grautönen gefärbt. Mit dem Ultraschalldetektor ist die Kleine Bartfledermaus am besten bei 45-50 kHz zu empfangen. Ihr „trockener“, regelmäßiger „dig-dig-dig“ Ruf erinnert an das Ticken einer Uhr und ist dem der Großen Bartfledermaus sehr ähnlich.

Namensherkunft

Ihren deutschen Namen verdankt die Kleine Bartfledermaus ihren Tasthaaren auf der Schnauze.

Lebensraum

Die Kleine Bartfledermaus ist weniger stark als die Große Bartfledermaus an Wälder und Gewässer gebunden. Sie besiedelt offene und halboffene Landschaften mit einzelnen Gehölzbeständen und Hecken. Auch ist sie in dörflichen Siedlungen, Streuobstwiesen, Gärten, in Feuchtgebieten und reich strukturierten kleinräumigen Landschaften anzutreffen. Als Sommerquartiere dienen Spalten an Häusern wie z.B. Fensterläden, Wandverkleidungen, Fugen oder Risse. Bezogen werden aber auch Spalten an Jagdkanzeln oder hinter abstehender Baumrinde. Als Winterquartiere dienen Höhlen, Stollen, Brunnen, Keller aber auch Bachverrohrungen oder Brückenbauwerke, wo die Kleine Bartfledermaus meist frei an Wand oder Decke hängt, sich aber zuweilen auch in enge Spalten zwängt. Die Temperaturen im zumeist unterirdischen Winterquartier liegen idealerweise bei 2-8°C und haben eine hohe Luftfeuchte.

Lebensweise

Die Kleine Bartfledermaus fliegt zu früher Dämmerung, etwa 15-30 min nach Sonnenuntergang aus. Gejagt wird in schnellem, wendigem, kurvenreichem Flug in meist 1,5-6 m Höhe in Parks, Gärten, über Fließgewässern, Wiesen oder im Wald. Sie unternimmt Jagdpausen, während welcher sie sich an Ästen aufhängt. In der Regel macht sie Jagd auf fliegende Beute, ist jedoch auch in der Lage Beute von Oberflächen abzusammeln. Ihr Nahrungsspektrum ist sehr vielseitig und reicht von Zweiflüglern wie Schnaken, Zuckmücken und Fliegen über Schmetterlinge bis hin zu Spinnen und Raupen.

Fortpflanzung und Wanderverhalten

Die Kleine Bartfledermaus wird als weitgehend ortstreue Art beschrieben. Winter- und Sommerquartiere liegen meist 50 bis 100 km voneinander entfernt. Ihr Winterquartier verlässt die Kleine Bartfledermaus im März/April. Ab Mai beziehen die Weibchen ihre Wochenstuben. Meist ca. 20-70 Weibchen bilden eine Fortpflanzungsgemeinschaft, innerhalb welcher die Weibchen ab Mitte Juni in der Regel ein Junges zur Welt bringen. Die Männchen führen im Sommer in der Regel ein Einzeldasein. Paarungen finden nach Auflösung der Wochenstuben ab Ende August sowohl an den Männchenhangplätzen als auch in Schwärmquartieren oder in den Winterquartieren bis ins zeitige Frühjahr statt. Letztere werden ab Oktober in Gruppen von nicht selten mehr als 100 Tieren besetzt.

Besonderheiten

Die verschiedenen Bartfledermausarten sind aufgrund ihrer ähnlichen Merkmale und den ausgeprägten altersbedingten Fellfarbvariationen nur sehr schwer zu unterscheiden. Ihre taxonomische Einordnung ist noch recht unsicher. Zu den heimischen Bartfledermäusen zählen die Große und die Kleine Bartfledermaus, deren ähnliche Namensgebung die Schwierigkeit bei der Artbestimmung wiederspiegelt.

Verbreitung

Die Kleine Bartfledermaus ist in ganz Mitteleuropa und somit auch in Deutschland regelmäßig verbreitet. In den nördlichen Bundesländern konnten bis dato jedoch keine Wochenstuben nachgewiesen werden. In Westfalen ist sie mit Winter- und Sommerquartieren regelmäßig verbreitet.