Großes Mausohr (Myotis myotis)        

Größte heimische Fledermaus

Großes Mausohr Großes Mausohr (Myotis myotis)
© M. Korn

Gefährdung (Rote Liste)

Nordrhein-Westfalen (2010): 2 - stark gefährdet

Aussehen und Merkmale

Das Große Mausohr ist die größte mitteleuropäische Fledermausart. Ihre Körpergröße beträgt etwa 6,7-7,9 cm, ihre Flügelspannweite ca. 35-43 cm. Sie wiegt zwischen 28-40 g. Ihre Ohren und Schnauze sind lang und breit. Ihr Rückenfell ist braun bis rötlichbraun gefärbt, unterseits ist ihr Fell beige bis schmutzig weiß. Kehle und Halsseiten sind nicht selten gelblich gefärbt. Jungtiere sind rauchgrau und haben ein vergleichsweise dunkles Gesicht. Die Flügel des Großen Mausohr sind breit, die Flughäute braun. Mit dem Ultraschalldetektor ist die Art gut bei 35 kHz zu hören. Ihre Ortungsrufe lassen sich als meist trockene, hart klingende, recht gleichmäßige „tek-tek-tek“ Laute beschreiben.

Namensherkunft und besonderes Verhalten

Ihr Name rührt von der Ähnlichkeit ihrer Ohren mit denen von Mäusen her. Ihr wissenschaftlicher Name „Myotis“ stammt aus dem Griechischen mys (=Maus) und otos (=Ohr), welcher gleichzeitig namengebend für die ganze Gattung ist. Das Große Mausohr macht im Vergleich zu den meisten anderen heimischen Fledermausarten vorwiegend Jagd auf Boden bewohnende Beutetiere und vermag es sogar hierfür mit ausgebreiteten Flügeln auf dem Boden zu landen, seine Beute zu ergreifen um diese dann im Flug zu verspeisen.

Lebensraum

Das Große Mausohr ist eine Gebäudefledermaus. Sie ist bevorzugt Gebiete mit hohem Waldanteil in Höhenlagen von unter 800 m anzutreffen. Hier besiedelt sie Laub- und Laubmischwälder mit einem geringen Anteil an Bodenvegetation. Sommerquartiere (Wochenstuben) finden sich auf warmen, störungsarmen, zugluftfreien Dachböden und Kirchtürmen, gelegentlich auch in Höhlen. Einzeltiere nehmen Nistkästen und Baumhöhlen an. Als Winterquartiere dienen Höhlen, Stollen oder Keller. Diese liegen zumeist unterirdisch, weisen eine hohe Luftfeuchte auf und es herrschen Temperaturen zwischen 2 bis 10 °C vor.

Lebensweise

Das Große Mausohr fliegt etwa 20-45 Minuten nach Sonnenuntergang aus. Ihr Jagdgebiet liegt nicht selten 5-15 km vom Tagesquartier entfernt. Zu ihrem Jagdrevier gelangt das Große Mausohr auf Flugstraßen. Gejagt wird in Wäldern, Parks, über frisch abgeernteten, gemähten, oder abgeweideten Äckern, Feldern und Wiesen, zuweilen auch in Ortschaften. Zu ihrem Nahrungsspektrum zählen vorwiegend Boden bewohnende Beute wie (Lauf-)käfer und ihre Larven, Maulwurfsgrillen, Hundertfüßer, Spinnen, Weberknechte, Schmetterlingsraupen, sogar der Fang einer Spitzmaus wurde nachgewiesen. Ihre Beute sucht das Große Mausohr in raschem, wendigem Flug in geringer Höhe von ca. 1-2 m auf.

Fortpflanzung und Wanderverhalten

Das Große Mausohr wird als regional wandernde Art beschrieben. Zwischen Sommer- und Winterquartier liegen meist Distanzen von 50-100 km. Ihr Winterquartier verlässt das Große Mausohr im April. Im Mai beziehen die Weibchen ihre Fortpflanzungsquartiere, die Wochenstuben. In NRW bilden meist 20-300 Weibchen eine Fortpflanzungsgemeinschaft, innerhalb welcher sie in der Regel ein Junges zur Welt bringen. Die Geburten finden meist im Juni statt. Im Alter von etwa fünf Wochen unternehmen die Jungen erste Jagdflüge. Die Männchen führen während der Aufzuchtzeit weitestgehend ein Einzeldasein, einzelne Männchen können jedoch auch in den Wochenstuben angetroffen werden. Ende Juli/Mitte August lösen sich die Wochenstuben auf. Nun beginnt die Paarungszeit. Die Männchen beziehen ihre Paarungsquartiere und verteidigen ihr Paarungsrevier gegenüber anderen Männchen. Die Weibchen, die mit bis zu fünf Tieren einen Harem bilden können, bleiben meist nur eine Nacht. Die Paarung dauert ca. 15-30 Minuten. Paarungen können zuweilen auch in den Winterquartieren stattfinden. Ihr Winterquartier, das sie vorwiegend einzeln oder in kleinen Gruppen beziehen, suchen die Großen Mausohren ab Oktober auf. Aber auch ein Massenquartier in Nietoperek (Polen) mit bis zu 5.000 Tieren ist bekannt.

Besonderheiten

Im Gegensatz zu vielen anderen heimischen Fledermausarten, ist das Große Mausohr in seine Quartieren häufig frei hängend an Decken und Wänden anzutreffen, seltener in enge Spalten gezwängt.

Verbreitung

Das Große Mausohr ist nahezu in ganz Europa verbreitet. In Nordwestdeutschland findet die Art ihre nördliche Verbreitungsgrenze. In NRW wird der sommerliche Gesamtbestand 2010 auf über 5.000 Tiere geschätzt, Tendenz steigend. Mindestens 23 Wochenstubenkolonien und mehr als 60 Winterquartiere wurden in NRW bisher nachgewiesen.Großes Mausohr Großes Mausohr (Myotis myotis)
© M. Korn
Großes Mausohr Großes Mausohr (Myotis myotis)
© M. Korn