Große Bartfledermaus (Myotis brandtii)    

Fledermaus mit dem goldenen Haar

Gefährdung (Rote Liste)

Nordrhein-Westfalen (2010): 2 – stark gefährdet

Aussehen und Merkmale

Die Große Bartfledermaus s ist trotz ihres Namens eine der kleineren Fledermausarten. Ihre Flügel haben eine Spannweite von ca. 220-245 mm. Sie wiegt zwischen 7 und 15 g. Ihre Ohren sind vergleichsweise lang. Ihr Fell ist unterseits wenig abgesetzt gelblich-hellgrau, oberseits lang, in jungen Jahren schwarz und wird mit zunehmendem Alter heller bis hin zu hell-goldenen Haarspitzen. Mit dem Ultraschalldetektor ist die Große Bartfledermaus am besten bei 45-50 kHz zu empfangen. Ihr „trockener“, regelmäßiger „dig-dig-dig“ Ruf erinnert an das Ticken einer Uhr.

Namensherkunft und besonderes Verhalten

Der wissenschaftliche Name der Großen Bartfledermaus ehrt den deutschen Zoologen Johann Friedrich von Brandt (1802–1879), weswegen sie zuweilen auch Brandtfledermaus genannt wird. Nicht selten kann die Große Bartfledermaus bei einem wellenartigen Flug mit Auf- und Abwärtsbewegungen beobachtet werden

Lebensraum

Die Große Bartfledermaus ist stärker als die Kleine Bartfledermaus an Wälder und Gewässer gebunden. Bevorzugt kommt sie in Au- und Bruchwäldern, Moor- und Feuchtgebieten vor. Als Sommerquartiere dienen Baumhöhlen, Stammrisse und abstehende Borke oder Fledermauskästen, aber auch Spalten hinter hölzernen Gebäudefassaden oder in Dachräumen, hinter Verkleidungen oder in Balkenlöchern. Als unterirdische Winterquartiere dienen Höhlen, Stollen, Keller, alte Bergwerke, wo die Art meist frei an Wand oder Decke hängt. Die Temperaturen im Winterquartier liegen idealerweise bei 3-4°C und haben eine hohe Luftfeuchte.

Lebensweise

Die Große Bartfledermaus fliegt zu früher Dämmerung aus. Gejagt wird in schnellem, wendigen Flug in lichten Wäldern und Feldgehölzen in niedriger bis mittlerer Höhe nahe der Vegetation sowie häufig auch über Gewässern. Um Distanzen im Offenland zu überbrücken, ist sie an Gehölzstrukturen oder Bäche als Leitlinien angewiesen. Zu ihrem Nahrungsspektrum zählen vorwiegend Schmetterlinge, Schnaken und Zweiflügler. Je nach Verfügbarkeit können auch nichtfliegende Beute wie Spinnen oder Ohrwürmer aufgenommen werden.

Fortpflanzung und Wanderverhalten

Die Große Bartfledermaus wird als weitgehend ortstreue Art beschrieben. Winter- und Sommerquartiere liegen kaum mehr als 40 km voneinander entfernt. Es wurden jedoch auch schon Wanderungen bis 700 km nachgewiesen. Ihr Winterquartier verlässt die Große Bartfledermaus im März/April. Spätestens im Mai beziehen die Weibchen ihre Fortpflanzungsquartiere, die sogenannten Wochenstuben. Meist bilden ca. 20-60 Weibchen eine Fortpflanzungsgemeinschaft, innerhalb welcher die Weibchen ab Juni in der Regel ein Junges zur Welt bringen. Vergesellschaftungen mit anderen Fledermausarten in den Quartieren sind möglich. Im Alter von etwa vier Wochen unternehmen die Jungen selbstständig Jagdflüge. Bereits Ende Juli lösen sich die Wochenstuben auf. Paarungen finden ab August in sogenannten Schwärmquartieren statt, können jedoch auch in den Winterquartieren erfolgen, die ab Ende Oktober in kleinen Gruppen besetzt werden.

Besonderheiten

Trotz ihrer Ähnlichkeit sind Große und Kleine Bartfledermaus nicht nahe miteinander verwandt.

Verbreitung

Die Große Bartfledermaus ist vor allem in Mittel- und Nordeuropa, in Skandinavien und Teilen Russlands verbreitet. Ihre Vorkommen in Mitteleuropa sind jedoch lückig. Die Verbreitung der Großen Bartfledermaus in Deutschland ist noch nicht hinreichend geklärt. In NRW liegt ein Verbreitungsschwerpunkt im Nordosten Westfalens. Hier sind einige größere Wochenstubenkolonien nachgewiesen. Im Kreis Siegen-Wittgenstein wird ein bedeutendes Schwärmquartier regelmäßig genutzt. Im Rheinland nördlich der Eifel und im westlichen Münsterland gibt es größere Verbreitungslücken.