Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) 

Gemächlicher Tiefflieger

Gefährdung (Rote Liste)Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)
© A. Brabant

Nordrhein-Westfalen (2010): 2 - stark gefährdet

Aussehen und Merkmale

Die Bechsteinfledermaus ist eine mittelgroße Fledermaus mit einer Spannweite von ca. 250-286 mm. Ihr Rückenfell ist braun bis rötlichbraun gefärbt, ihre Unterseite ist deutlich abgesetzt in einem hellen Beige- oder Grauton. Nach den Namen gebenden Langohren hat sie von den heimischen Fledermäusen mit 21-26 mm die längsten Ohren. Ihre Flügel sind breit und kurz, ihre Füße klein. Mit dem Ultraschalldetektor kann man die Bechsteinfledermaus am besten bei 45-50 kHz empfangen. Ihre Ortungsrufe lassen sich als „trockene“, schnelle „ticke“ Rufe beschreiben. In Anpassung an ihre besondere Jagdweise sind ihre Ortungsrufe eher leise.

Namensherkunft und besonderes Verhalten

Der Name der Bechsteinfledermaus stammt vom deutschen Naturforscher, Forstwissenschaftler und Ornithologe Johann Matthäus Bechstein (1757-1822). Wie die Langohren kann auch die Bechsteinfledermaus Beute von Oberflächen absammeln („folliage gleaning“). Damit ihr dies gelingt, ist die Bechsteinfledermaus in der Lage sehr langsam zu fliegen und ähnlich einiger Greifvögel zu rütteln.

Lebensraum

Die Bechsteinfledermaus ist eine typische Waldfledermaus, die bevorzugt feuchte Mischwälder, aber auch in Nadelwäldern, Gärten und Parks im Tiefland und in den Mittelgebirgen besiedelt. Als Quartiere dienen Stammrisse, Baumhöhlen oder Vogel- und Fledermauskästen, allerdings keine Flachkästen. Seltener findet man sie auch freihängend in Gebäudequartieren oder Felshöhlen. Als Winterquartiere werden vor allem unterirdische Quartiere in Höhlen, Stollen, Kellern, Brunnen etc. mit einer ausreichenden Luftfeuchte und Temperaturen von 3-7 °C aufgesucht. Vermutlich werden aber auch Baumhöhlen als Winterquartiere genutzt.

Lebensweise

Die Bechsteinfledermaus fliegt erst nach Einbruch der Dunkelheit aus. Zu ihrem Nahrungsspektrum zählen je nach Verfügbarkeit vorwiegend Schmetterlinge, Zweiflügler, Spinnen und Weberknechte, aber auch Ohrwürmer, Raufen und flugunfähige Laufkäfer. Sie jagt vergleichsweise niedrig in Höhen von 1-5 Metern und nimmt Beute von Zweigen oder sogar vom Boden auf. Bei der Jagd kommen ihr wie den Langohren ihre großen Ohren zugute, mit welchen sie Raschelgeräusche ihrer Beutetiere wahrnimmt.

Fortpflanzung und Wanderverhalten

Die Bechsteinfledermaus wird als sehr ortstreue Art beschrieben. Sommer- und Winterquartiere liegen meist nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Ihre meist unterirdisch liegenden Winterquartiere verlässt die Bechsteinfledermaus etwa im März/April. Ab Anfang April beziehen nahe miteinander verwandte Weibchen ihre sogenannten Wochenstuben, während die Männchen im Sommer ein Einzeldasein führen. Ca. 10-50 Weibchen bilden eine Fortpflanzungsgemeinschaft, innerhalb welcher die Weibchen ab der ersten Junihälfte in der Regel ein Junges zur Welt bringen. Vergesellschaftungen mit anderen Fledermausarten sind möglich. Selbst mit den flugunfähigen Jungen, die sie fest an sich klammern, wechseln die Weibchen alle 2-3 Tage ihr Quartier. Ab Anfang August unternehmen die Jungen selbstständig Jagdflüge. Ende August lösen sich die Wochenstuben auf. Nun beginnt die Paarungszeit. Ein für Myotis-Arten typisches Schwärmen von aus einem weiten Umfeld zusammen kommenden Artgenossen kann in dieser Zeit an Höhlen beobachtet werden. Ihre Winterquartiere bezieht die Bechsteinfledermaus ab November.

Besonderheiten

Bechsteinfledermäuse überqueren Straßen und Freiflächen häufig in sehr geringer Flughöhe, weshalb sie einem hohen Kollisionsrisiko insbesondere durch Verkehr ausgesetzt sind.

Verbreitung

Die Bechsteinfledermaus ist in den gemäßigten Zonen Mitteleuropas beheimatet, allerdings meist nur lokal verbreitet und nirgends häufig. Bis auf Teile Niedersachsens, Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns kommt sie in ganz Deutschland vor. In NRW liegen ihre Vorkommen überwiegend in den Mittelgebirgsregionen und deren Randlagen. Im Tiefland existieren mehrere Nachweise in der Westfälischen Bucht. Mit Stand 2010 sind in NRW 16 Wochenstubenkolonien sowie 5 bedeutende Schwärmquartiere bekannt.Bechsteinfledermaus Bechsteinfledermaus
© T. Krämerkämper
Bechsteinfledermaus Bechsteinfledermaus
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Bechsteinfledermaus Bechsteinfledermaus
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Bechsteinfledermaus Bechsteinfledermaus
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Bechsteinfledermaus Bechsteinfledermaus
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Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)
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Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)
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Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)
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Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)
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