Braunes Langohr (Plecotus auritus)     

Große Ohren für exzellentes Gehör

Gefährdung (Rote Liste)Braunes Langohr (Plecotus auritus) Braunes Langohr (Plecotus auritus)
© U. Pennekamp

Nordrhein-Westfalen (2010): G – Gefährdung unbekannten Ausmaßes

Aussehen und Merkmale

Das Braune Langohr ist eine mittelgroße Fledermaus mit sehr langen, zarten Ohren. Ihre Körpergröße beträgt etwa 4,2-5,3 cm, ihre Flügelspannweite ca. 240-285 mm. Sie wiegt zwischen 4,6 und 11,3 g. Ihr Rückenfell ist lang, locker und dunkel- bis hellbraun gefärbt, unterseits ist ihr Fell cremefarben bis gelbgrau. Ihre Augen sind auffallend groß. Sie hat lange Daumen und Daumenkrallen, große Füße und ihre Zehen sind stark borstenartig behaart. Die Ortungsrufe des Braunen Langohrs sind sehr leise und schnell. Mit dem Ultraschalldetektor ist die Art etwas deutlicher bei 35 und 50 kHz hören. Ihr Flugbild ist vergleichsweise langsam gaukelnd.

Namensherkunft und besonderes Verhalten

Wie ihr Name schon vermuten lässt, zeichnet sich die Art durch ihre langen Ohren aus. Vom nahe verwandten, selteneren Grauen Langohr lässt sie sich unter anderem aufgrund ihrer Fellfärbung unterscheiden. Das Braune Langohr kann während der Jagd zuweilen rüttelnd oder kreisend vor Blättern und Zweigen beobachtet werden, wo sie ihre Beute von Oberflächen absammelt. Größere Beute wird zu Fraßplätzen getragen, die sich durch Ansammlungen von Flügelresten verraten.

Lebensraum

Das Braune Langohr ist eine typische Waldfledermaus. Sie besiedelt bevorzugt lockere Laub- und Nadelwälder im Tiefland und den Mittelgebirgen. Auch ist sie in Parks und Gärten in menschlichen Siedlungen anzutreffen. Als Sommerquartiere dienen Baumhöhlen, Fledermaus- und Vogelkästen. Sie nimmt aber auch Spalten an Gebäuden, Nischen hinter Fensterläden, Felshöhlen etc. an. Als Winterquartiere dienen Keller, Stollen, Höhlen oder dickwandige Baumhöhlen.

Lebensweise

Das Braune Langohr fliegt meist erst in völliger Dunkelheit aus. Gejagt wird bevorzugt in unterholzreichen Wäldern, Gärten, Siedlungsbereichen und Streuobstgebieten mit Altbaumbestand. Zu ihrem Nahrungsspektrum zählen vorwiegend Schmetterlinge, Zweiflügler, Ohrwürmer, aber auch Spinnen, Schmetterlingsraupen und tagaktive Fliegen. Ihre Beutefänge vollzieht sie in allen Höhen vom Boden bis in die Kronenbereiche hoher Bäume, bevorzugt jedoch in Höhen von 0,5 bis 7 Metern.

Fortpflanzung und Wanderverhalten

Das Braune Langohr ist eine ortstreue Art. Zwischen Sommer- und Winterquartier liegen kaum mehr als 20 km. Ihr Winterquartier verlässt das Braune Langohr etwa Anfang März. Im April/Mai beziehen die Weibchen ihre Fortpflanzungsquartiere, die sogenannten Wochenstuben. Ca. 10-50 kolonietreue Weibchen bilden meist eine Fortpflanzungsgemeinschaft, innerhalb welcher die Weibchen ab der zweiten Junihälfte in der Regel ein Junges zur Welt bringen. Die Wochenstubengemeinschaft besteht meist aus eng miteinander verwandten Weibchen. Quartierwechsel finden etwa alle 1-4 Tage statt. Im Alter von vier bis fünf Wochen unternehmen die Jungen erste Jagdflüge. Die Männchen führen während der Aufzuchtzeit weitestgehend ein Einzeldasein, einzelne Männchen können jedoch auch in den Wochenstuben angetroffen werden. Im August lösen sich die Wochenstuben auf. Nun beginnt die Paarungszeit. Bis in den Oktober hinein kann ein ausgeprägtes Schwärmen vor und in Höhlen beobachtet werden, welchem u.a. eine Rolle für die genetische Durchmischung zukommt. Braune Langohren überwintern meist mit bis zu 10 Tieren in unterirdischen Quartieren. Da die Braunen Langohren sehr kälteresistent sind, suchen sie ihre Winterquartiere meist erst nach anhaltend niedrigen Temperaturen auf.

Besonderheiten

Erst im Alter von vier bis fünf Wochen erlangen die Ohren der Fledermausjungen ihre volle Beweglichkeit und können, wie für Langohren typisch, unter ihre Flügel eingefaltet werden. Das Braune Langohr hat ein ungewöhnlich gutes Gehör. Beute, die sich durch Raschelgeräusche verrät, nimmt sie wahr und sammelt sie von Blattoberflächen ab („foliage gleaning“).

Verbreitung

Das Braune Langohr ist nahezu in ganz Europa verbreitet. In Deutschland kommt das Braune Langohr flächendeckend - auch mit Wochenstuben - vor. In NRW ist das Braune Langohr in allen Naturräumen verbreitet. In waldarmen Regionen des Tieflandes sowie in den höheren Lagen des Sauerlandes bestehen kleine Verbreitungslücken.Braunes Langohr (Plecotus auritus) Braunes Langohr (Plecotus auritus)
© U. Pennekamp
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