Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii)

Ein haariger Geselle

Gefährdung (Rote Liste)Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii)
© U. Pennekamp

Nordrhein-Westfalen (2010): R - durch extreme Seltenheit gefährdet

Aussehen und Merkmale

Die Rauhautfledermaus ist eine kleine Fledermaus, die mit einer Körpergröße von 4,5 - 5,5 cm und einer Flügelspannweite von 230-250 mm kaum großer ist als die Zwergfledermaus. Ihr Fell ist im Sommer rötlichbraun, nach dem Haarwechsel ab Ende Juli dunkelbraun mit grauen Spitzen. Ihre Unterseite ist hell- bis gelbbraun. Ihre Ohren sind kurz, abgerundet und „dreieckig“. Mit dem Ultraschalldetektor kann man die Rauhautfledermaus am besten bei etwa 38-40 kHz hören. Ihre Ortungsrufe lassen sich als „nasse“ Rufe „papapa-papa-papapapap“ beschreiben, die etwas schwerer und holpernder klingen als bei der nahe verwandten Zwergfledermaus. Die Rauhautfledermaus hat einen schnellen, geradlinigen Flug mit z. T. tiefen Flügelabschlägen. Sie ist etwas weniger wendig als die Zwergfledermaus.

Namensherkunft

Benannt wurde die Rauhautfledermaus nach dem deutschen Züchtungsforscher Hermann Engelhard von Nathusius (1809 bis 1879), dem sie ihren wissenschaftlichen Namen verdankt. Ihre Schwanzflughaut ist etwa bis zur Hälfte behaart, was zu ihrem deutschen Namen führte.

Lebensraum

Die Rauhautfledermaus ist anders als ihre nahe verwandte Zwergfledermaus eine typische Waldfledermaus, die in naturnahen, reich strukturierten Wäldern anzutreffen ist. Sie bevorzugt feuchte Niederungswälder, Auwälder, aber auch Nadelwälder, wie trockene Kiefernforste und Parklandschaften. Ihre Quartiere bezieht die Rauhautfledermaus vor allem in Rindenspalten, Baumhöhlen und Fledermaus- oder Vogelkästen, vereinzelt auch an Gebäuden, Brücken oder Felswänden.

Lebensweise

Die Rauhautfledermaus fliegt etwa 50 Minuten nach Sonnenuntergang aus, nach Geburt der Jungen auch deutlich eher. Sie jagt zumeist in 4-15 m Höhe entlang von Schneisen, Wegen, an Waldrändern oder über Gewässern. Ihre Nahrung besteht ausschließlich aus Fluginsekten, von welchen an Gewässer gebundene Insekten wie Zuckmücken einen sehr hohen Anteil ausmachen.

Fortpflanzung und Wanderverhalten

Die Rauhautfledermaus zählt zu den wandernden Arten. Zwischen den Reproduktions- und Überwinterungsgebieten von Nordost- nach Südwest-Europa legt sie Entfernungen von über 1.000 km zurück. Ihre Zugleistungen liegen bei 29-48 km pro Nacht. Ihr Winterquartier verlässt die Rauhautfledermaus ab März, bevor die Weibchen im April/Mai ihre Wochenstuben beziehen. Ca. 50-200 Weibchen bilden eine Fortpflanzungsgemeinschaft. Die Wochenstubenquartiere werden nicht selten mit anderen Fledermausarten geteilt. Ab Ende Mai bringen die Weibchen in der Regel zwei, selten auch drei Junge zur Welt. Ihre Wochenstubenquartiere können die Rauhäute im Sommer mehrfach wechseln. Nach etwa vier Wochen sind die Jungen flugfähig. Ab Mitte Juli werden die Wochenstuben aufgelöst und die Balz beginnt. Die reviertreuen Männchen beziehen während dieser Zeit individuelle Paarungsquartiere in Nähe der Wochenstuben oder auf der Zugstrecke sowie in Nähe der Winterquartiere. Über ihre Balzrufe locken sie vorbeiziehende Weibchen an. In den Harems mit etwa 3-10 Tieren werden auch junge Männchen akzeptiert. Die Winterquartiere werden schließlich ab Oktober bezogen.

Besonderheiten

Die Rauhautfledermaus zählt zu den kleinsten heimischen Fledermausarten. Die teilweise behaarte Schwanzflughaut lässt sie jedoch größer wirken.

Verbreitung

Die Rauhautfledermaus kommt innerhalb Europas vor allem im nördlichen Mittel- und Osteuropa vor. In Deutschland liegen die Reproduktionsgebiete hauptsächlich in den nordöstlichsten Bundesländern. Während der Zugzeit sind Rauhautfledermäuse in ganz Deutschland zu beobachten und sind in NRW vor allem im Tiefland während der Durchzugs- und Paarungszeit weit verbreitet. Darüber hinaus sind im Sommer auch Vorkommen kleiner Männchengesellschaften bekannt. Im Kreis Recklinghausen konnte 2010 eine Wochenstube mit 50-60 Tieren nachgewiesen werden.