Fransenfledermaus (Myotis nattereri)        

Eine wahre Flugkünstlerin

Gefährdung (Rote Liste)Fransenfledermaus (Myotis nattereri) Fransenfledermaus (Myotis nattereri)
© M. Korn

Nordrhein-Westfalen (2010): 3 - gefährdet

Aussehen und Merkmale

Die Fransenfledermaus ist eine mittelgroße Fledermaus. Sie hat eine Flügelspannweite von 245-280 mm. Ihr Rückenfell ist braungrau, ihre Unterseite weiß bis grauweiß und scharf von der Rückenfärbung abgesetzt. Sie hat lange Ohren und eine schlanke Schnauze. Mit dem Ultraschalldetektor kann man die Fransenfledermaus am besten bei etwa 45-50 kHz hören, wobei sich ihr Ruf durch keine eindeutige Hauptfrequenz auszeichnet. Ihre Ortungsrufe lassen sich als sehr „trockene“, zum Teil unregelmäßige „dig dig dig“ Rufe beschreiben. Die Fransenfledermaus hat einen langsamen, zum Teil schwirrenden Flügelschlag. Sie ist auf engem Raum sehr manövrierfähig. Teils kann man sie auch kurz rüttelnd beobachten.

Namensherkunft und besonderes Verhalten

Die Schwanzflughaut der Fransenfledermaus ist am Rand dicht mit zwei Reihen gekrümmter Borsten besetzt. Auf diese wie Fransen wirkenden Härchen geht ihr Name zurück. Die Fransenfledermaus ist besonders geschickt im sogenannten „gleaning“, dem Absuchen von Vegetationsoberflächen nach Beute. Sogar in Kuhställen geht sie auf Beutefang. Ihre besonderen Flugkünste zeigt sie auch beim sogenannten Schwärmen, welches vor allem im September und Oktober vor ihren Quartieren zu beobachten ist.

Lebensraum

Die Fransenfledermaus ist eine Waldfledermaus, die vorwiegend Wälder, Parks, Obstwiesen, Feuchtgebiete und auch Ortschaften sowohl im Tiefland als auch den Mittelgebirgen besiedelt. Im Sommer bezieht die Fransenfledermaus Quartiere vor allem in Baumhöhlen und Fledermauskästen, vereinzelt auch im Inneren von Gebäuden. Winterquartiere bilden dagegen Keller, Stollen, Höhlen, Felsspalten, vereinzelt auch Baumhöhlen.

Lebensweise

Die Fransenfledermaus fliegt etwa 30 Minuten nach Sonnenuntergang oder später aus. Gejagt wird über die ganze Nacht im Wald, über Wasser und gelegentlich auch über Offenland in Nähe von Obstwiesen oder Wäldern. Ihre Nahrung besteht zu einem großen Teil aus nicht fliegender Beute wie Spinnen, Weberknechte, Asseln, Hunderfüßer, aber auch Fliegen, Käfern, Schmetterlingen.

Fortpflanzung und Wanderverhalten

Die Fransenfledermaus gilt als ortstreu. Sommer- und Winterquartiere liegen in der Regel kaum mehr als 40 km voneinander entfernt. Ihr Winterquartier verlässt die Fransenfledermaus etwa bis Mitte April, bevor die Weibchen im April/Mai ihre Wochenstuben beziehen. Ca. 20-80 Weibchen bilden eine Fortpflanzungsgemeinschaft, zu denen sich auch einzelne Männchen gesellen können. Ab der zweiten Junihälfte bringen die Weibchen in der Regel ein Junges zur Welt. Während der Aufzuchtzeit werden die Wochenstubenquartiere nicht selten gewechselt, vermutlich alle 2-5 Tage. Man geht davon aus, dass sich eine Kolonie in stetig wechselnde Teilkolonien aufteilt. Nach etwa vier Wochen sind die Jungen flugfähig. Kurz darauf werden die Wochenstuben aufgelöst und die Balz beginnt. Paarungen finden sowohl in Schwärmquartieren als auch im Winterquartier statt. Letztere werden ab Ende Oktober bezogen.

Besonderheiten

Teile der Rufe der Fransenfledermaus spielen sich in Frequenzbereichen unterhalb von 20 kHz ab und liegen noch im menschlichen Hörvermögen. Mit gutem Gehör können sehr nahe fliegende Fransenfledermäuse daher auch ohne technische Hilfsmittel gehört werden.

Verbreitung

Die Fransenfledermaus kommt in Europa bis hin zum Ural sowie in Marokko und Israel vor. In Europa fehlt sie nur in Mittel- und Nordskandinavien sowie in Nordosteuropa. In NRW kommt sie in allen Naturräumen vor mit einem Verbreitungsschwerpunkt im Münsterland. Größere Verbreitungslücken gibt es in der Kölner Bucht und am Niederrhein.