Kleiner Abendsegler (Nyctalus leisleri)        

Ein Langstreckenflieger

Gefährdung (Rote Liste)

Nordrhein-Westfalen (2010): V - Vorwarnliste

Aussehen und Merkmale

Der Kleine Abendsegler ist eine mittelgroße Fledermaus. Die Spannweite seiner schmalen, langen Flügel beträgt etwa 260-320 mm. Sein kurzes, dicht anliegendes Fell ist dunkelbraun, an der Haarbasis dunkel schwarzbraun gefärbt, die Spitzen dagegen rotbraun. Sein Nackenfell ist zuweilen länger und kann bei Erregung aufgestellt werden. Ohren und Schnauze des Kleinen Abendseglers erscheinen kräftig. Die Ortungsrufe sind wie beim Großen Abendsegler charakterisiert durch zwei alternierend ausgestoßene Laute. Die beiden Hauptfrequenzen liegen höher als beim Großen Abendsegler. Mit dem Ultraschalldetektor kann man den Kleinen Abendsegler am besten bei etwa 30 kHz bzw. 25 kHz hören. Seine Ortungslaute lassen sich als „nasse“ zweigeteilte Rufe „plip-plop“ beschreiben. Der Kleine Abendsegler fliegt schnell (bis 40 km/h) und meist geradlinig in etwas niedrigerer Höhe als der Große Abendsegler.

Namensherkunft

Der wissenschaftliche Name des Kleine Abendseglers ehrt den deutschen Naturforscher Johann Philipp Achilles Leisler (1771-1813).

Lebensraum

Der Kleine Abendsegler ist eine typische Waldfledermaus, die insbesondere Laubwälder, bevorzugt Buchenmischwälder und solche mit hohem Altholzbestand besiedelt. Quartiere bezieht der Kleine Abendsegler vor allem in Spechthöhlen, Fäulnishöhlen, überwucherten Spalten nach Blitzschlag, Astlöchern. Fledermauskästen werden von der Art ebenfalls gerne angenommen. Vereinzelt werden auch Quartiere in Dachräumen von Gebäuden aufgesucht. Der Kleine Abendsegler jagt dicht über oder auch unter Baumkronen, entlang von Waldwegen und Schneisen, um Straßenlaternen oder über größeren Gewässern.

Lebensweise

Der Kleine Abendsegler fliegt etwa 10-40 Minuten nach Sonnenuntergang aus. Anders als der Große Abendsegler ist der Kleine Abendsegler vorwiegend nachtaktiv. Seine Nahrung besteht größtenteils aus Nachtfaltern, aber auch aus Zweiflüglern und Köcherfliegen. Seine Sommerquartiere wechselt der Kleine Abendsegler zum Teil täglich. Sein Quartierverbund kann hier bis zu 50 Quartiere in einem Gebiet von 300 ha Größe umfassen. Sein Jagdgebiet erstreckt sich auf ca. 7,4-18.4 km² in Entfernungen von bis zu 4,2 km vom Quartier. Allgemein gilt die Art als ortstreu. Quartiere werden traditionell genutzt.

Fortpflanzung und Wanderverhalten

Der Kleine Abendsegler zählt zu den wandernden Arten. Zwischen seinen Reproduktions- und Überwinterungsgebieten legt der kleine Abendsegler nicht selten Entfernungen von über 1500 km zurück. Sein Winterquartier verlässt der Kleine Abendsegler etwa Anfang April. Im Juni werden in den Fortpflanzungsquartieren, den sogenannten Wochenstuben, zumeist ein bis zwei Junge pro Weibchen geboren. Eine Wochenstubenkolonie besteht in der Regel aus 10-70 Weibchen. Die Wochenstuben lösen sich ab Ende August/Anfang September wieder auf. Ende Juli bis September beziehen die Männchen ihre Paarungsquartiere. Durch Singflüge locken sie Weibchen an, die mit bis zu 10 Tieren einen Harem bilden. Ab Oktober werden die Winterquartiere bezogen, wo der Kleine Abendsegler meist einzeln oder in Gruppen von bis zu 30 Tieren überwintert.

Besonderheiten

Innerhalb eines Quartierverbundes bilden die Tiere oftmals kleinere Teilgruppen, zwischen denen sie häufig wechseln. Hierdurch sind sie auf ein großes Quartierangebot angewiesen.

Verbreitung

Der Kleine Abendsegler kommt in nahezu ganz Europa vor, jedoch bis auf Irland nirgends häufig. Die Nordgrenze des europäischen Verbreitungsgebiets verläuft durch Norddeutschland. Die Überwinterungsgebiete liegen vermutlich überwiegend im Süden Deutschlands. In Nordrhein-Westfalen kann seit mehreren Jahren eine Bestandszunahme sowie eine Arealerweiterung beobachtet werden.