Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)      

Fledermaus auf Höhenflug

Gefährdung (Rote Liste)Großer Abendsegler Großer Abendsegler
© H. Kalfhues

Nordrhein-Westfalen (2010): R - durch extreme Seltenheit gefährdet

Aussehen und Merkmale

Der Große Abendsegler ist eine der größten heimischen Fledermausarten. Er hat lange, schmale Flügel mit einer Spannweite von 32-40 cm. Sein kurzes, eng anliegendes Fell ist auf dem Rücken glänzend rostbraun, unterseits matt und heller gefärbt. Die Ohren des Großen Abendseglers sind breit und abgerundet. Die Ortungsrufe sind charakterisiert durch zwei alternierend ausgestoßene Laute. Mit dem Ultraschalldetektor kann man den Großen Abendsegler am besten bei etwa 23-25 kHz bzw. 19-20 kHz hören. Die Ortungsrufe lassen sich als „nasse“ zweigeteilte Rufe „plip-plop“ beschreiben. Der Große Abendsegler fliegt schnell (bis 50 km/h), geradlinig mit schnellen Wendungen im freien Luftraum. Seine langen, schlanken Flügel sind hierbei oft deutlich gewinkelt.

Namensherkunft und besonderes Verhalten

Der Große Abendsegler fliegt sehr früh, z.T. bereits vor Sonnenuntergang aus, weshalb ihm den Name „Abendsegler“ zukam. Als wandernde Art zieht der Große Abendsegler zur Zugzeit zuweilen auch am Tage, gemeinsam mit den Schwalben. Im Herbst und sogar bei warmer Witterung im Winter unternimmt der Große Abendsegler auch tagsüber Jagdflüge.

Lebensraum

Der Große Abendsegler ist eine typische Waldfledermaus. Ursprünglich besiedelte er Laubwälder. Heute reicht sein Spektrum an Habitaten bis hin zu Städten, sofern diese einen ausreichenden Baumbestand bzw. genug Nahrung bieten. Quartiere bezieht der Große Abendsegler vor allem in Spechthöhlen, Fäulnishöhlen, Stammrissen, bevorzugt in Waldrandnähe oder entlang von Wegen. Fledermauskästen werden von der Art ebenfalls gerne angenommen. Fortpflanzungsquartiere finden sich nicht selten auch an Gebäuden, hier hinter Fassadenverkleidungen, in Rolladenkästen oder Deckenspalten. Als Winterquartiere hingegen dienen tiefe Felsspalten, Mauerrisse und Spalten an Gebäuden und Brücken oder dickwandige Baumhöhlen. Das Jagdhabitat des Großen Abendseglers reicht von Wiesen, Seen, Müllplätzen, Straßenlaternen über Baumkronen und Gewässer bis hin zu (Au-)Wäldern, wobei Nadelwälder eher gemieden werden.

Lebensweise

Der Große Abendsegler fliegt zuweilen bereits vor Sonnenuntergang aus. Er fliegt in Höhen von üblicherweise 10-50 m, teils auch von mehreren Hundert Metern. Zum Ergreifen seiner Beute unternimmt er rasante Sturzflüge. Je nach Verfügbarkeit erstreckt sich sein Nahrungsspektrum über Zweiflügler, Wanzen, Köcherfliegen, Käfer, Schmetterlinge u.a.

Fortpflanzung und Wanderverhalten

Der Große Abendsegler zählt zu den wandernden Arten. Seine Paarungs- und Winterquartiere liegen zumeist in Süd- und südlichem Mitteleuropa, die Fortpflanzungsgebiete in Nordost- und nördlichem Mitteleuropa mit Schwerpunkt Russland. Hierzu unternimmt der Große Abendsegler Überflüge von 1000 km oder mehr. Sein Winterquartier verlässt der Große Abendsegler etwa im März. Die Weibchen beziehen ab Mitte Mai ihre Wochenstuben. Ca. 20-50 Weibchen bilden eine Fortpflanzungsgemeinschaft, innerhalb welcher die Weibchen ab der zweiten Junihälfte in der Regel ein bis zwei Junge zur Welt bringen. Nach etwa vier Wochen verlassen die Jungen das Quartier zu ersten Flügen. Ab Anfang August beziehen die Männchen ihre Balzquartiere in Baumhöhlen. Durch Gesänge am Quartiereingang und Singflüge locken sie Weibchen an, die meist zu 4-5 ein bis zwei Tage dort verbringen. Paarungen finden derweil auch im Winterquartier statt. Diese werden ab November bezogen.

Besonderheiten

Teile der Rufe des Großen Abendseglers spielen sich in Frequenzbereichen unterhalb von 20 kHz ab und liegen noch im menschlichen Hörvermögen. Mit einem guten Gehör können diese daher auch ohne technische Hilfsmittel wahrgenommen werden.

Verbreitung

Der Große Abendsegler ist in ganz Deutschland verbreitet. Die Wochenstuben liegen vorwiegend in den nordöstlichen Bundesländern, während Männchengesellschaften im Sommerlebensraum und Winterquartiere vorwiegend in den südwestlichen Bundesländern vorzufinden sind. In Nordrhein-Westfalen ist der Große Abendsegler besonders zur Zugzeit im Frühjahr und Spätsommer/Herbst zu beobachten. Während er im Tiefland nahezu flächendeckend vorkommt, zeigen sich Verbreitungslücken in den höheren Lagen des Sauer- und Siegerland. Mit Informationsstand 2010 sind 6 Wochenstubenkolonien im Rheinland, einzelne übersommernde Männchenkolonien, zahlreiche Balz- und Paarungsquartiere sowie einige Winterquartiere mit bis zu mehreren hundert Tieren bekannt.