Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)       

Fledermaus mit dampflokartigem Ruf

Gefährdung (Rote Liste)Breitflügelfledermaus Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)
© M. Korn

Nordrhein-Westfalen (2010): 2 - stark gefährdet

Aussehen und Merkmale

Die Breitflügelfledermaus ist eine der größten heimischen Fledermäuse. Ihre breiten, schwarzbraunen Flügel erreichen eine Spannweite von 31,5-38,1 cm. Sie hat langes, meist mittel- bis dunkelbraunes Fell. Ihre Unterseite ist nur wenig abgesetzt heller gefärbt. Sie hat mittellange, schwarzbraune, derbhäutige und am Ende abgerundete Ohren. Die Breitflügelfledermaus kann man mit dem Ultraschalldetektor am besten bei 27-30 kHz hören. Ihre Ortungsrufe lassen sich als „nasse“ Rufe beschreiben mit einem gleichmäßigen, dampflokartigen Rhythmus „tjappe, tjappe, tjappe“. Die Breitflügelfledermaus hat einen vergleichsweise langsamen Flug, den sie in großen Kurven meist in 3-5 m Höhe absolviert. Ihre breiten Flügel winkelt sie hierbei kaum an.

Namensherkunft und besonderes Verhalten

Wie ihr Name verrät, machen die Flügel der Breitflügelfledermaus einen breiten Eindruck, anders als beispielsweise beim etwa gleich großen Großen Abendsegler.

Lebensraum

Die Breitflügelfledermaus ist eine typische Gebäudefledermaus. Ihre Quartiere bezieht sie hier hinter Schalbrettern, Verkleidungen, Dachrinnen oder in Mauerritzen oder Bohrlöchern. Einzeltiere finden aber auch in Baumhöhlen oder Fledermauskästen Unterschlupf, Wochenstubenkolonien dagegen zumeist in Spalträumen im Innern ungenutzter Dachstühle oder hinter Fassadenverkleidungen, in Zwischendächern oder Fertigungsfugen großer Hochhäuser. Als Winterquartiere dienen Höhlen, Stollen, Keller, tiefe Balkenkehlen von Dachstühlen, Holzstapel etc. Die Breitflügelfledermaus ist vorwiegend im Flachland anzutreffen, im menschlichen Siedlungsraum mit Parks, Gärten, Wiesen sowie in Randgebieten von Großstädten. Hierbei ist sie kaum auf Wald angewiesen. Sie jagt z.B. über Gärten, in Parks, entlang von Waldrändern, Schneisen oder Wegen sowie über Viehweiden, Streuobstwiesen und an Gewässerrändern. Im Siedlungsbereich kann sie auch jagend an Straßenlaternen beobachtet werden.

Lebensweise

Die Breitflügelfledermaus fliegt ca. 20-30 min nach Sonnenuntergang aus. Sie jagt oft in Gruppen. Ihre Suchflüge verlaufen hierbei meist auf langen, gleichmäßigen Bahnen, aus welchen Sie zum Fang von Insekten kurzfristig ausbricht. Beobachtet wurde auch das Absammeln von Beute direkt von Oberflächen, z.B. auf frisch gemähten Wiesen oder vom Kronendach der Bäume. Hinsichtlich ihrer Nahrung zeigt sich die Breitflügelfledermaus flexibel. Je nach Verfügbarkeit erstreckt sich ihr Nahrungsspektrum über Dung-, Juni- und Maikäfer bis hin zu Nachtfaltern, Schlupfwespen, Wanzen, Zweiflüglern und einer Vielzahl weiterer Insekten.

Fortpflanzung und Wanderverhalten

Die Breitflügelfledermaus gilt als ortstreu. Sommer- und Winterquartiere liegen meist in einem Radius von innerhalb 50 km. Ihr Winterquartier verlässt die Breitflügelfledermaus etwa im März/April, bevor die Weibchen im April/Mai ihre Wochenstuben beziehen. In diesen Fortpflanzungsgemeinschaften bringen ca. 10-60 Weibchen gemeinsam ihre Jungen zur Welt - zumeist eins, selten zwei. Nicht selten finden sich die Wochenstubenkolonien der Breitflügelfledermaus und anderer Fledermausarten am selben Gebäude, jedoch räumlich voneinander getrennt. Die Jungen kommen etwa Mitte Juni zur Welt, aber auch Spätgeburten bis in den August wurden beobachtet. Sie werden ca. sechs Wochen von ihren Müttern versorgt, bevor sie selbstständig sind. Ende August werden die Wochenstuben wieder aufgelöst werden. Die Männchen bilden während der Aufzuchtzeit nicht selten eigene Kolonien von bis zu 20 Tieren. Gelegentlich sind auch einzelne Männchen in den Wochenstuben anzutreffen. Die Paarungszeit beginnt mit Auflösung der Wochenstuben. Die Winterquartiere werden ab Oktober bezogen. Die Tiere überwintern zumeist einzeln oder gelegentlich mit 2-4 Individuen zusammen in Spalten eingezwängt oder aber frei an Decke oder Wänden hängend. Massenwinterquartiere sind dagegen nicht bekannt.

Besonderheiten

Beim Kontakt mit Breitflügelfledermäusen ist Vorsicht geboten, denn es besteht Gefahr bei Bissen mit Tollwut infiziert zu werden. Die Fledermaustollwut kommt in Europa fast ausschließlich bei Breitflügelfledermäusen vor. Ein Grund zu übermäßiger Besorgnis besteht jedoch nicht, sofern einfache Vorsichtsmaßnahmen wie z.B. das Tragen von Handschuhen beim Kontakt mit den Tieren eingehalten werden.

Verbreitung

Die Breitflügelfledermaus kommt in großen Teilen Europas sowie in der Türkei, im Nahen Osten, Kaukasus, Zentral-Asien, China vor. In NRW ist sie vor allem im Tiefland in weiten Bereichen regelmäßig und flächendeckend anzutreffen. Wenige Funde sind dagegen im Großraum zwischen Bonn und Düsseldorf bekannt. Auch im Bergischen Land sowie im Sauer- und Siegerland gibt es Verbreitungslücken.