Wasserfledermaus (Myotis daubentonii)   

Fledermaus auf großem Fuß

Gefährdung (Rote Liste)Wasserfledermaus Wasserfledermaus
© H. Kalfhues

Nordrhein-Westfalen (2010): G – Gefährdung unbekannten Ausmaßes

Aussehen und Merkmale

Die Wasserfledermaus ist eine kleine Fledermaus mit einer Flügelspannweite von ca. 24,0-27,5 cm. Für ihre Gattung hat sie relativ kurze Ohren. Sie wiegt zwischen 7 und 17 g. Ihr Rückenfell ist meist braun gefärbt, ihre Unterseite meist deutlich abgesetzt in einem hellen Grauton. Die Wasserfledermaus hat, ebenso wie die Teichfledermaus, auffällig große Füße. Mit dem Ultraschalldetektor kann man die Wasserfledermaus am besten bei 45 kHz hören. Die Ortungsrufe lassen sich als „trockene“, stakkatoartige Rufe mit einem Zweitaktrhythmus „tikete-tikete-tikete-tikete“ beschreiben. Das typische Jagdverhalten der Wasserfledermaus zeichnet sich durch einen Flug unmittelbar über Gewässeroberflächen aus.

Namensherkunft und besonderes Verhalten

Der Name der Wasserfledermaus rührt von ihrer Vorliebe für die Jagd an stehenden oder langsam fließenden Gewässern her. Hier jagt sie fast ausschließlich. Ihre Schwanzflughaut setzt sie als Kescher ein, um Beutetiere von der Wasseroberfläche abzufangen.

Lebensraum

Die Wasserfledermaus ist eine typische Waldfledermaus. Besiedelt werden bevorzugt Wälder und Parks mit Nähe zu Gewässern. Als Quartiere dienen Fäulnis- oder Spechthöhlen in Bäumen, Stammrisse oder Fledermauskästen, aber auch in Gewölbespalten und Dehnungsfugen von Brücken findet die Wasserfledermaus Unterschlupf. Als Winterquartiere dienen Höhlen, Bunker, Stollen, Brunnen sowie frostsichere Baumhöhlen. Die Wasserfledermaus meidet Licht (z.B. von Straßenlaternen) und ist auf Leitlinien wie Wassergräben, Hecken, Waldränder und -wege angewiesen, die ihr als Flugbahnen dienen.

Lebensweise

Die Wasserfledermaus fliegt etwa 30-60 Minuten nach Sonnenuntergang aus und kehrt etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang zurück. Zu ihrem Nahrungsspektrum zählen vorwiegend Zweiflügler und Köcherfliegen, Blattläuse, Eintagsfliegen, Netzflügler, Falter und andere. Treibende Beute auf Stillgewässern oder frisch schlüpfende Wasserinsekten erkennt die Wasserfledermaus hierbei akustisch, weshalb ruhige und vegetationsfreie Wasseroberflächen bevorzugt aufgesucht werden.

Fortpflanzung und Wanderverhalten

Die Wasserfledermaus wird als wanderfähige Art beschrieben. Ihre Winterquartiere liegen meist in einem Radius von unter 150 km um die Sommerquartiere. Ihr Winterquartier verlässt die Wasserfledermaus etwa Ende März/Anfang April. Im Mai beziehen die Weibchen ihre Fortpflanzungsquartiere, die sogenannten Wochenstuben. Ca. 20-50 Weibchen bilden eine Fortpflanzungsgemeinschaft, innerhalb welcher die Weibchen ab der zweiten Junihälfte in der Regel ein Junges zur Welt bringen. Selbst mit den flugunfähigen Jungen, die sie fest an sich klammern, wechseln die Weibchen alle 2-3 Tage ihr Quartier. Es wird angenommen, dass ein Wochenstubenverband durch derartige regelmäßige Quartierwechsel bis zu 40 Baumhöhlen im Jahresverlauf aufsucht. Im Alter von etwa vier Wochen unternehmen die Jungen selbstständig Jagdflüge. Die Männchen bilden während der Aufzuchtzeit nicht selten eigene Kolonien von bis zu 20 Tieren. Im August lösen sich die Wochenstuben auf. Nun beginnt die Paarungszeit, die sich nicht nur über die Schwärmzeit im August / September erstreckt, sondern über den ganzen Winter bis ins Frühjahr ziehen kann. Im Winterquartier, bei dem es sich nicht selten um ein traditionell genutztes Massenquartier handelt, werden die lethargischen Weibchen von den Männchen aufgesucht und begattet.

Besonderheiten

Die Weibchen haben die Fähigkeit das Sperma der Männchen nach der Begattung in sich zu speichern. Es wird vermutet, dass sie darüber hinaus über Möglichkeiten der Spermienselektion verfügen und hierüber bestimmen können, welche der gespeicherten Spermien die Eizelle im Frühjahr befruchtet.

Verbreitung

Die Wasserfledermaus ist nahezu in ganz Europa verbreitet. In NRW gilt sie als gefährdet. Mit kleineren Verbreitungslücken im westfälischen Bergland kommt sie in allen Naturräumen NRWs vor.