Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)

Fledermaus der Superlative

Zwergfledermaus Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)
© M. Korn

Gefährdung (Rote Liste)

Nordrhein-Westfalen (2010): * - nicht gefährdet

Aussehen und Merkmale

Die Zwergfledermaus ist eine kleine, braun gefärbte Fledermaus. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal bei Fledermäusen sind die Ohren, die bei der Zwergfledermaus als „dreieckig“ beschrieben werden können. Mit dem Ultraschalldetektor kann man die Zwergfledermaus am besten bei 44-47 kHz hören. Die Ortungsrufe lassen sich als „nasse“ Rufe beschreiben mit einem teils unregelmäßigen Rhythmus „pipi-pupu-pipipupupupu“. Die Zwergfledermaus hat einen schnellen, wendigen Flug, meist in 2-6 m Höhe.

Namensherkunft und besonderes Verhalten

Wie ihr Name verrät, ist die Zwergfledermaus neben der Kleinen Bartfledermaus und der erst vor wenigen Jahren als neue Art entdeckten Mückenfledermaus die kleinste heimische Fledermausart. Gerade einmal Daumen groß, wiegt sie kaum mehr als ein Stück Würfelzucker. Spalten und Nischen an Gebäuden in der Größe einer Streichholzschachtel können Einzeltieren bereits als Unterschlupf dienen. Größeren und häufig genutzten Quartieren kommt der geschulte Blick des Fledermausfachmanns nicht selten durch anhaftende Kotkrümel am Einflugloch auf die Schliche, welche die Zwergfledermaus dort im Anflug „angeklebt“ hat – eine typische Eigenart der Zwergfledermaus.

Lebensraum

Die Zwergfledermaus ist eine typische Gebäudefledermaus. Ihre Quartiere bezieht sie in Ritzen, Nischen und Spalten an Gebäuden wie z.B. hinter Bretterverschalungen, Wandverkleidungen, Fensterläden, Mauerritzen oder Dachpfannen. Sie jagt bevorzugt über Gewässern, entlang von Kleingehölzen und Waldrändern, in Gärten und Parks. Im Siedlungsbereich sucht die Zwergfledermaus gerne Straßenlaternen auf, wo der Tisch mit Insekten reich gedeckt ist. Insgesamt ist die Zwergfledermaus in ihren Lebensraumansprüchen sehr flexibel.

Lebensweise

Die Zwergfledermaus fliegt bereits 5-20 min nach Sonnenuntergang aus, im Spätherbst gelegentlich auch am Tage. Trotz ihrer geringen Größe verspeist sie pro Nacht bis zu 4.000 Zuckmücken – etwa ein Drittel ihres eigenen Körpergewichtes. Neben Mücken stehen auch kleine Käfer, Köcherfliegen, Schmetterlinge oder andere Fluginsekten auf ihrer Speisekarte. Auf der Jagd patroulliert sie in der Regel auf festen Flugbahnen, die Nacht für Nacht zum Nahrungserwerb abgeflogen werden.

Fortpflanzung und Wanderverhalten

Die Zwergfledermaus gilt als ortstreu. Sommer- und Winterquartiere liegen meist unter 20 km voneinander entfernt. Ihr Winterquartier verlässt die Zwergfledermaus etwa im März/Anfang April, bevor die Weibchen im April/Mai ihre Wochenstuben beziehen. In diesen Fortpflanzungsgemeinschaften, die gelegentlich auch mit der Rauhautfledermaus geteilt werden, bringen ca. 20-250 Weibchen gemeinsam ihre Jungen - zumeist eins, selten zwei -zur Welt. Nachdem diese Mitte Juni/Anfang Juli das Licht der Welt erblicken, werden sie ca. sechs Wochen von ihren Müttern versorgt, bevor sie selbstständig sind. Anfang August werden die Wochenstuben wieder aufgelöst werden. Die Männchen führen während der Aufzuchtzeit ein Einzeldasein, bevor Mitte August die Paarungszeit beginnt. Die Winterquartiere werden ab Oktober/November bezogen. Nicht selten handelt es sich um traditionell genutzte Massenquartiere.

Besonderheiten

Im August/September sind bei der Zwergfledermaus häufig sogenannte „Invasionen“ zu beobachten. Hierbei fliegen teils bis zu 100 Tiere, vorwiegend junge Zwergfledermäuse in Gebäude und Wohnungen ein, z.B. über gekippte Fenster. Nicht selten kommen Tiere in solch ungeeigneten Quartieren zu Tode. Fledermausforscher vermuten hinter diesen Invasionen die Erkundung der noch unerfahrenen, jungen Fledermäuse von neuen Quartieren.

Verbreitung

Die Zwergfledermaus kommt in großen Teilen Europas vor. In NRW gilt sie derzeit als ungefährdet.